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Gericht: 
Oberlandesgericht Hamm

Autofahrer A hatte gefeiert. Mit einem Blutalkoholwert von 1,17 Promille fuhr er nachts auf der Autobahn nach Hause. Durch eine abrupte Lenkbewegung nach links kam der Wagen von der mittleren Fahrspur ab und prallte gegen die Leitplanke. Das Auto schleuderte auf die Fahrbahn zurück und strandete auf dem Mittelstreifen.

In den unbeleuchteten Wagen von A fuhr Autofahrer B hinein. B’s Fahrzeug hatte beim Aufprall eine Geschwindigkeit von 140 bis 156 km/h, wie ein Unfallexperte später feststellte. Autofahrer A verklagte B auf Schadenersatz: Das Landgericht entschied, dass beide Fahrer jeweils zur Hälfte für den Schaden hafteten.

Damit war das Oberlandesgericht Hamm nicht einverstanden. Zu Unrecht habe das Landgericht den Alkoholkonsum von A nicht berücksichtigt, denn die Trunkenheit habe sich auf den Unfallhergang ausgewirkt. A sei absolut fahruntüchtig gewesen: Eine andere, nachvollziehbare Erklärung für sein plötzliches Umsteuern nach links gebe es nicht.

Der Unfall habe sich unter Umständen und in einer Verkehrssituation ereignet, die ein nüchterner Fahrer ohne weiteres hätte meistern können. Auch wenn B deutlich zu schnell gefahren sei, wiege das Verschulden von A daher schwerer: Schließlich stelle sein Verhalten eine Straftat dar. Deshalb müsse er die finanziellen Folgen des Unfalls zu zwei Dritteln tragen. (Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 28. Januar 2010 – 6 U 159/09)