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Gericht: 
Oberlandesgericht Frankfurt am Main

Wann ist ein Auffahrunfall harmlos?

Mit der Halswirbelsäule (HWS) hat es die Verkehrsgerichtsbarkeit besonders häufig zu tun. Wenn medizinische Untersuchungsmethoden wie Röntgenaufnahmen oder Kernspin keine objektiven Befunde ergeben, ist es für die Unfallopfer nach Auffahrunfällen manchmal schwer, berechtigte Ansprüche durchzusetzen.

So erging es auch einem Geschäftsmann, der nach einem Unfall lange an der HWS ärztlich behandelt worden war: Er kämpfte mit der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers um Schadenersatz, konnte aber nur eine Geschwindigkeitsänderung von fünf km/h durch den Aufprall beweisen. Das Problem dabei: Unterhalb von zehn km/h gilt ein Aufprall als "harmlos". Dann gehe man davon aus, dass der Unfall die Gesundheit nicht beeinträchtigt habe ("Harmlosigkeitsgrenze"), erläuterte das Oberlandesgericht Frankfurt.

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Wenn nach einem Auffahrunfall erstmals Beschwerden an der HWS aufträten und sich als dauerhaft erwiesen, spreche dies trotz der geringen Geschwindigkeit dafür, dass die funktionelle Störung an der HWS auf den Unfall zurückzuführen sei. Da im konkreten Fall zudem der medizinische Sachverständige erklärte, das medizinische Erscheinungsbild der Halswirbelsäule des Geschäftsmanns sei ohne den Unfall "nicht denkbar", bekam der Verletzte schließlich doch Schadenersatz zugesprochen. (Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 7. September 2001 - 24 U 22/00)