DruckversionWir bekommen häufig Anfragen von BVK-Mitgliedern, die wissen wollen, ob sie einen Pkw leasen oder – auf Kredit – kaufen sollen. Exemplarisch die Anfrage eines jungen Versicherungskaufmanns aus Münster: „Mein Bezirksdirektor liegt mir in den Ohren, ich solle mir endlich ein repräsentatives Auto zulegen. Ein 5er BMW wäre angemessen. Falls mir die nötige Liquidität fehle, könne ich den Wagen ja leasen“. Wir haben einen Kenner der Leasing-Problematik gebeten, die uns gestellten Fragen zusammengefasst zu beantworten.
Leasen oder kaufen: Entscheidungskriterien
Das Leasen eines Pkw stellt einen Fall des sogenannten Operating-Leasing dar. Insoweit sind diverse Risiken zu beachten.
1. Verwertungsrisiko
Dass es sich um einen Fall des Operating-Leasing handelt, bedeutet, dass die Laufzeit des Leasing-Vertrages kürzer ist als die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer des Leasinggegenstandes (= des Pkw). So werden Pkw-Leasing-Verträge meist für zwei oder drei Jahre abgeschlossen. Steuerlich abgeschrieben werden Pkw in sechs Jahren, die tatsächliche Nutzungsdauer beträgt meist acht bis zehn Jahre.
Dies hat zur Folge, dass der geleaste Pkw nach Ablauf der Leasing-Zeit wirtschaftlich noch einen Wert hat. Die Realisierung dieses Wertes ist Sache des Leasinggebers. Das Verwertungsrisiko trägt der Leasinggeber.
Sie geben nach Vertragsende das Fahrzeug an den Leasinggeber zurück. Ob der Leasinggeber das Fahrzeug anschließend mit Gewinn verwerten kann oder nicht, ist nicht Ihr Problem.
Falls Sie einen Pkw nicht geleast, sondern gekauft haben, tragen Sie das Risiko,, einen angemessenen Verkaufspreis zu erzielen.
2. Kreditrisiko
Versicherungskaufleute, die einen Pkw fremd finanzieren – z. B. durch ein Darlehen der Hausbank oder der Bank des Pkw-Herstellers – haben das Problem, dass ihre Kreditlinie oftmals „ausgereizt“ ist. Jedenfalls die Hausbank befürchtet schnell, dass Sie ein „schlechtes Risiko“ sind und gewährt keine weiteren Kredite.
Haben Sie einen Pkw geleast, stellt sich dieses Problem scheinbar nicht. Ihre Kreditlinie wird scheinbar geschont. Aber nur scheinbar. Auch Banker sind in der Lage, Bilanzen und Gewinn- und Verlust-Rechnungen (GuV) zu lesen. Je höher die in der GuV ausgewiesenen Leasingraten, desto geringer die Kreditbereitschaft der Banken.
3. Liquiditätsrisiko
Insbesondere junge Versicherungskaufleute, die noch keine Gelegenheit hatten, Liquiditätsreserven zu bilden, sind fast nie in der Lage, den Kaufpreis für einen Audi, BMW oder Mercedes bar auf den Tisch des Autohändlers zu legen. Die monatlichen Leasing-Raten hingegen meinen diese aufbringen zu können. Wer dies ebenfalls meint, sollte die folgenden Aspekte bedenken:
- Unter Liquiditätsaspekten geht es nicht nur um die laufenden – monatlichen – Leasingraten. Vielmehr fällt zu Beginn der Leasingzeit eine sogenannte „Mietsonderzahlung“ an. Die kann in der Praxis bis zu 40 Prozent des Betrages betragen, den Sie für das Fahrzeug als Kaufpreis hinblättern müssten. Oft wird die Mietsonderzahlung durch die Inzahlungnahme Ihres bisher genutzten Pkw geleistet. Das bedeutet: Bis zur Inzahlungnahme/-gabe des Gebrauchten konnten Sie wenigstens noch den Gebraucht-Pkw Ihr eigen nennen. Nach der Inzahlungnahme/-gabe gehört Ihnen nichts mehr. Ihre Aktiva haben sich um den Wert des gebrauchten Fahrzeuges vermindert.
- Ein weiterer Liquiditätsaspekt: Ihren bislang genutzten Pkw hatten Sie Teilkasko versichert. Für den geleasten Neuwagen fallen die Aufwendungen für eine Vollkasko-Versicherung an.
- Noch ein Liquiditätsaspekt: Leasing-Angebote zeichnen sich häufig dadurch aus, dass die Leasinggeber mit minimalen Jahreskilometern kalkulieren. Etwa nur 10.000 Kilometer pro Jahr. Dies 10.000 Kilometer fahren Sie in zwei Monaten. Im Ergebnis fällt nach Ablauf der Leasingzeit eine Sonderzahlung an, die sich an den tatsächlich mit dem Wagen gefahrenen Kilometern orientiert (das Leasing-Vertrags-Formular, das man Ihnen zur Unterschrift vorlegt, enthält die Formulierung „mit Km-Abrechnung“).
- Wenn Sie einen Vertrag „mit Km-Abrechnung“ schließen wollen, kalkulieren Sie Ihre Gesamtjahresfahrleistung realistisch. Zwischen 10.000 km pro Jahr und 50.000 km pro Jahr liegen Welten – soweit es um die monatliche Leasingrate und die zu tätigende Abschlusszahlung auf der Basis der tatsächlich gefahrenen Kilometer geht.
- Ebenfalls unter Liquiditätsaspekten sollten Sie den folgenden Hinweis beachten. Wer meint, er brauche einen anderen – nicht zwingend einen neuen – Wagen, hat zwei Alternativen. Entweder kauft er sich ein Auto, das er sich leisten kann. Oder er least ein Auto, das er sich eigentlich nicht leisten kann (falls er es kaufen will) und vertraut darauf, dass er die Mietsonderzahlung, die monatlichen Raten und die Abschlusszahlung erbringen kann. Die Mietsonderzahlung ist in den meisten Fällen kein Problem. Man erbringt sie durch den Verkauf des bisher genutzten Wagens. Die Abschlusszahlung wird verdrängt. Problematisch sind die monatlichen Zahlungen = Leasing-Raten. Die müssen aufgebracht werden. Bei einem Auto mit einem Verkaufspreis von rund € 50.000 sind das je nach Vertragslaufzeit und Gesamtfahrleistung € 1.000 im Monat und mehr. Dieser Betrag ist jeden Monat zu zahlen – und nicht nur dann, wenn Sie gerade Geld auf dem Konto haben. Sie erhöhen Ihren monatlichen Fixkostenblock.
4. Steuerliche Aspekte
Der Verkaufsberater Ihres Autohauses wird Sie mit dem Argument ködern wollen, dass Sie die Leasingraten als Betriebsausgaben Ihrer Agentur steuerlich geltend machen können. Sie – die Raten – würden im Ergebnis nur „die Hälfte“ kosten.
Dazu zwei Anmerkungen:
- „Nur die Hälfte“ kosten die von Ihnen getätigten Aufwendungen (Mietsonderzahlung, laufende Raten, Abschlusszahlungen) nur dann, wenn Sie tatsächlich 50 Prozent Steuern zahlen. Empfehlung: Nehmen Sie Ihren letzten Einkommensteuerbescheid und Ihren letzten Gewerbesteuerbescheid. Suchen im Einkommensteuerbescheid die Zeile „zu versteuerndes Einkommen“. Den dort gefundenen Betrag setzen Sie in Relation zu der Summe aus gezahlter Einkommensteuer und gezahlter Gewerbesteuer für das fragliche Jahr. Wenn das Rechenergebnis eine steuerliche Gesamtbelastung von mehr als 30 Prozent ergibt, gehören Sie zu den sehr gut verdienenden Versicherungskaufleuten. Falls Sie dazu gehören, sind steuerliche Aspekte für Sie relevant.
- Das Argument, dass Sie die Leasing-Raten als Betriebsausgaben Ihrer Agentur geltend machen können, wird dadurch entwertet, dass Sie bei einem gekauften Pkw die Abschreibung steuerlich geltend machen können. Falls die Leasing-Raten höher sind als die (auf den Monat umgerechnete) Abschreibung, gilt: Wer einen € ausgibt und davon 50 Cent vom Finanzamt erstattet bekommt, hat unter dem Strich ein Loch im Portemonnaie von 50 Cent – ein schlechtes Geschäft.
Im Übrigen gilt steuerrechtlich:
- Die laufenden Leasing-Raten sind als Betriebsausgaben Ihrer Agentur steuermindernd.
- Die Mietsonderzahlung stellt bei Einnahme-Überschuss-Rechnern im Jahr der Zahlung eine Betriebsausgabe in voller Höhe dar. Bilanzierende Versicherungskaufleute müssen die Mietsonderzahlung steuerlich auf die Laufzeit des Leasing-Vertrages verteilen (durch die Bildung von Rechnungs-Abgrenzungs-Posten). Im Ergebnis wirkt sich bei Bilanzierenden die Mietsonderzahlung nicht im Jahr der Zahlung in voller Höhe aus, sondern lediglich verteilt auf die Jahre, für die der Leasing-Vertrag läuft.
- Wer ein Fahrzeug kauft, statt es zu leasen, hat die Möglichkeit, bestimmte Sonderabschreibungen zusätzlich zur üblichen Abschreibung geltend zu machen. In Leasing-Fällen besteht diese Möglichkeit nicht. Insoweit gibt es jedoch Gestaltungsmöglichkeiten, die daraus resultieren, dass die Mietsonderzahlung in bestimmter Höhe zu einem steuerlich „passenden“ Zeitpunkt geleistet wird. Im Ergebnis sollte die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Sonderabschreibungen in Kauf-Fällen kein Entscheidungskriterium bei der Frage „kaufen oder leasen?“ sein.
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5. Das Fazit für Sie
Leasing lohnt sich – wenn Sie liquide sind. Liquiditätsprobleme lösen Sie durch Leasing nur dann, wenn Sie einen Mindeststandard an Liquidität sicherstellen können. Unter steuerlichen Aspekten ist es in der Regel gleichgültig, ob Sie leasen oder kaufen.