DruckversionDie Stimmung in Deutschland ist gut. Es wird auch wieder mehr gespart. Doch mit der Vorsorgeneigung ist es nicht allzu weit her. Das gilt besonders für die betriebliche Altersvorsorge. Auch Investmentfonds sind nicht Jedermanns Sache. Dabei sind die Bundesbürger mit Finanzwissen nicht allzu großzügig ausgestattet. Das sind Kernaussagen aktueller Umfragen aus dem Finanz- und Versicherungsbereich.
Die Zuversichtswerte der Deutschen habe im Monat April 2011 deutlich zugelegt. Der Optimismus mit Blick auf das persönliche Lebensumfeld ist zweistellig gewachsen. So positiv gestimmt waren die Bundesbürger schon seit Jahren nicht mehr. Die Angst um den Job hat auch nachgelassen. Das sind Aussagen aus der Zuversichtsstudie vom April 2011, die monatlich von der Allianz Deutschland AG und der Universität Hohenheim erstellt wird. Um Versicherungsschutz geht es dabei allerdings weniger.
|
JP Morgan Altersvorsorge-Barometer
(Angaben in Prozent)
„Wie viel sparen Sie zusätzlich zur staatlichen und betrieblichen Altersvorsorge jeden Monat privat für Ihre Rente in Fondssparplänen, Riester- und Rürup-Renten, Lebensversicherungen oder Sparbuch?“
|
|
|
11. AV-Barometer
2.Vj 2011
|
10. AV-Barometer
4.Vj 2010
|
9. AV-Barometer 2.Vj 2010
|
|
Ich spare
|
43,0
|
41,2
|
44,0
|
|
0 - 49 Euro
|
8,4
|
6,5
|
7,1
|
|
50 – 99 Euro
|
10,4
|
8,7
|
9,9
|
|
100-149 Euro
|
5,5
|
6,0
|
6,0
|
|
150-199 Euro
|
2,8
|
3,2
|
2,9
|
|
200-249 Euro
|
1,1
|
1,7
|
0,9
|
|
Über 250 Euro
|
1,0
|
2,2
|
0,8
|
|
In Form einer Immobilie, die monatlich abbezahlt wird
|
6,7
|
8,3
|
8,9
|
|
Keine Angabe zur Höhe
|
9,0
|
6,5
|
10,2
|
|
Ich spare nichts, denn
|
35,5
|
36,8
|
35,9
|
|
dafür habe ich kein Geld
|
23,2
|
23,7
|
23,3
|
|
ich fühle mich durch die staatliche Rente gut abgesichert
|
6,4
|
6,5
|
5,9
|
|
ich fühle mich durch die staatliche Rente und betriebliche Vorsorge gut abgesichert
|
5,9
|
6,7
|
6,7
|
|
Keine Angabe
|
21,5
|
22,0
|
20,1
|
|
Quelle: J.P.Morgan Asset Management, Stand Mai 2011
|
Investmentfonds um Vorsorge bemüht
Das sieht bei Investmentfondsgesellschaften anders aus. So hat die Fondsgesellschaft Fidelity den Status Quo bei der privaten Altersvorsorge untersucht, wie das Versicherungsjournal am 24. Mai berichtete. Dieser Meldung zufolge haben fast drei Viertel der Bundesbürger nur eine ungefähre oder sogar überhaupt keine Vorstellungen von der voraussichtlichen Höhe ihrer Altersbezüge.
Dem aktuellen Vorsorge-Barometer von J.P. Morgan Asset Management zufolge zeigt sich der Konjunkturaufschwung hierzulande nun auch bei der privaten Altersvorsorge der Bundesbürger. So sparen jetzt wieder mehr Deutsche als noch im vierten Quartal 2010: 43,0 Prozent. Das ist – abgesehen von den 44,0 Prozent vom Frühjahr 2007 und 2010 – der höchste Wert seit Beginn dieser Erhebungen im Jahr 2007.
Betriebliche Altersvorsorge im Abseits
Neuabschlüsse bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) stehen aber nicht auf der Wunschliste der Bundesbürger, wie die Studie aus der Reihe „FTD – Executive Research“ im Auftrag der Gothaer Lebensversicherung erbracht hat. Jedenfalls planen 91,4 Prozent der Befragten aktuell nicht, eine betriebliche Altersversorgung abzuschließen oder eine bestehende aufzustocken.
Fehlende Angebote der Unternehmen, zu hohe Kosten oder eine bereits ausreichende Vorsorge werden als Gründe dafür genannt. Doch immerhin zahlen 62 Prozent aller Beschäftigten hierzulande in eine betriebliche Altersvorsorge ein. Am geringsten vertreten in der Reihe der bAV-Besitzer sind die 14-39-Jährigen, obwohl deren Rentenlücke mit im Schnitt 445 Euro laut Gothaer besonders hoch ausfallen wird.
Die AXA Investmentmanagers dagegen blieben bei ihrem Leisten und suchten nach dem typischen deutschen Investmentfondsbesitzer. Sie fanden ihn im Westen der Republik. Er ist männlichen Geschlechts, nutzt das Internet, verfügt über ein mittleres Einkommen zwischen 1.500 und 3.000 Euro im Monat und kennt sich beim Thema Geld- und Kapitalanlage besser aus als andere. Hätte er 50.000 Euro zur freien Verfügung, würde jeder Dritte die Familie
beschenken oder das Geld für eine größere Anschaffung nutzen. Lediglich 13 Prozent aller Fondsbesitzer würde diese Summe auf ein Sparkonto legen.
Michael J. Glück