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Die Mittelzuflüsse und -abflüsse deutscher Publikumsfonds sind das Stimmungsbarometer der Fondsbranche. Doch inzwischen lockt der Publikumsbegriff Branchenbeobachter schnell auf eine falsche Fährte. Damit vielbeachtete Aussagen zum Investmentsparen der Deutschen ihre Prognosegüte nicht vollständig einbüßen, ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich.

Belege dafür liefert das Beratungsunternehmen Kommalpha in seiner jüngsten Ausgabe des „Fondsmarkt", der die Entwicklungen im deutschen Investmentmarkt unter die Lupe nimmt und Kapitalbewegungen analysiert. So zogen im letzten Berichtsmonat die Mittelzuflüsse in Höhe von 5,8 Mrd. Euro von lediglich zwei ETF-Papieren (börsengehandelte Papiere), die rund 2.500 Wertpapiere umfassende Gruppe der Aktienfonds, aus einem Nachfrage-Minus heraus.

Angesichts leerer Staatskassen und steigender Verschuldung ist die private Vorsorge sowohl individuell als auch volkswirtschaftlich unverzichtbar. Das Fondssparen nimmt dabei - mehr denn je - ei ne zentrale Rolle ein. Politik und Investmentindustrie haben, aus unterschiedlichem Blickwinkel, ein vitales Interesse an belastbaren Informationen zu den Fondsinvestitionen privater Haushalte. Das alles ist an sich nichts Neues. Neu ist jedoch: Die offizielle Investmentstatistik liefert hierfür - ohne tiefergehende Analyse - immer weniger Anhaltspunkte.
 
Der Grund: Das Investment-Universum, das Privatanlegern offensteht, wird ebenso von institutionellen Marktteilnehmern genutzt. Großinvestoren und private Sparer teilen sich als Konsequenz zunehmend dieselben Fondsprodukte. Insbesondere aufgrund der hohen Beliebtheit von ETFs bei Institutionellen gehen immer mehr Bewegungen in die offizielle Fondsstatistik ein, die keine Veränderungen im privaten Sparverhalten, sondern vielmehr die Dispositionen institutioneller Adressen widerspiegeln. Wer also belastbare Aussagen zum privaten Fondssparen sucht, muss künftig genauer hinschauen.
 
Der Fondssparer - das unbekannte Wesen?
Deutlich wurde dies in der jüngsten offiziellen Monatsstatistik. Dort ausgewiesene 3,6 Mrd. Euro an Zuflüssen bei Aktienfonds beinhalteten Mittelzuflüsse in ETFs von 5,5 Mrd. Euro. Die Gruppe der ETFs wiederum wurde insbesondere von Zuflüssen bei zwei Titeln in Höhe von 5,8 Mrd. Euro dominiert.
 
So wenig wahrscheinlich es ist, dass in diesen Effekten das Anlageverhalten privater Fondssparer zum Ausdruck kommt, so offensichtlich ist die Tatsache, dass aufgrund derart signifikanter Bewegungen bei Einzeltiteln die Gesamtschau zu Fehlinterpretationen geradezu einlädt.
 
Im Rückschluss muss die Frage, ob in den jüngst positiven Mittelzuflüssen bei Aktienfonds das Vertrauen der privaten Fondssparer in die künftige Entwicklung des Aktienmarkts zum Ausdruck kommt, wohl überraschenderweise mit Nein beantwortet werden. Bereinigt um die zwei genannten ETFs, haben Anleger aus dem Sektor rund 2,2 Mrd. Euro abgezogen.
 
Das Beratungsunternehmen Kommalpha nimmt in seiner monatlich erscheinenden Publikation „Fondsmarkt" aktuelle Marktentwicklungen unter die Lupe und analysiert die Mittelbewegungen im deutschen Investmentmarkt. Die aktuelle Version der Analyse zum deutschen Fondsmarkt kann auf der Website von Kommalpha unter http://www.kommalpha.com/kommalpha/fondsmarkt.php kostenfrei heruntergeladen werden.