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Eigentlich ist die Aufgabenstellung des Verbraucherschutzes klar: Wenn Produzenten und Verkäufer/Vermittler das Kundeninteresse aus dem Auge verloren haben, ist es Aufgabe des Verbraucherschutzes, dem Kundeninteresse nachhaltig Gehör zu verschaffen. Dabei zeigen sich einige Probleme. So hat bislang kaum ein Verbraucher seine Vertreter in die Verbraucherzentrale gewählt. Die demokratische Legitimation der Verbraucherzentralen ist also dürftig, lässt sich allenfalls aus staatlicher Subvention mittelbar ableiten.
 
Ein viel größeres Problem aber: Was ist, wenn der größte Schaden für Verbraucher nicht durch böse Vermittler und ihre Produktpartner angerichtet werden, sondern durch den Staat? Zum Beispiel durch einen Staat, der nicht mit Geld umgehen kann, grenzenlose Verschuldungsorgien feiert und im Einvernehmen mit Notenbanken dafür sorgt, dass durch niedrige Zinsen die Verschuldungsorgien weiterhin bezahlbar bleiben?
 
Eigentlich wäre es Aufgabe des Verbraucherschutzes, diesem Staat die Leviten zu lesen und massiv auf die Schäden hinzuweisen, die den Vorsorgesparern durch unangemessen niedrige Zinsen entstehen. Doch wie soll der Verbraucherschutz einen Staat kritisieren, an dessen Tropf er hängt? Und es wird wohl bald noch viel schlimmer, wenn es nach den Grünen geht. Im Entschließungsantrag „Finanzmarktwächter im Verbraucherinteresse einrichten“ (Bundestagsdrucksache 17/6503 vom 06.07.2011) fordern sie, im Bundeshaushalt jährlich 10 Mio. € zur Finanzierung der Finanzmarktwächter einzustellen. Damit hätten die Grünen (Beamtenanteil in der Mitgliedschaft: etwa 37 %) die Institution, die den Staat angesichts des bei Verbrauchern angerichteten Schadens besonders heftig kritisieren müsste, als potentielle Kritiker kaltgestellt. Das betrifft nicht nur den Schaden, den der überschuldete Staat an den Überschussbeteiligungen der Lebensversicherungskunden anrichtet.
 
Verbraucherschützer, die Marktwächter sein wollen, müssten der Öffentlichkeit und den Verbrauchern auch klar machen, welchen Zusammenhang es zwischen übertrieben aufgeblähter Geldmenge und der Aktienkursentwicklung gibt: Ist zu viel zu billiges Geld am Markt, landet es häufig an der Börse, treibt dort Aktienkurse und sorgt für ständig liquiditätsgetriebene, substanzlose Kurssteigerungen, die regelmäßig im Crash enden. Dort stehen die Aktien derzeit auch: Eine Dividendenrendite mitten im Crash von 3,5 % zeigt, wie sehr die Kurse auch nach 25 % Rückgang noch überzogen sind und welche Risiken sich daraus für Verbraucher ergeben. Doch derartige Warnungen vor Aktien hört man vom Verbraucherschutz kaum. Das sollen Finanzmarktwächter werden? (map)
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