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Die Fachtagung bei der BVK-Jahreshauptversammlung 2002 in Bremen hätte ebenso die Überschrift: „Riester – Rettung oder Rettungsring?“ tragen können. Die Diskussion kreiste um das Thema Riester-Rente, denn der Bereich „private Altersvorsorge“ kann heute natürlich nicht mehr losgelöst von dem Produkt gesehen werden, für welches der damalige Bundesarbeitsminister seinen Namen gegeben hat.

Thomas Licher, Moderator der Runde, vermittelte mit seinen Fragen zum einen seine kritische Distanz zur Rentenreform und Riester-Rente, zum anderen jedoch auch den Wunsch, dass Thema von allen Seiten zu beleuchten und Unzulänglichkeiten oder eventuelle Vorzüge herauszuarbeiten.

So wollte er unter anderem wissen: Warum wird so wenig Riester verkauft? Ist es ausreichend, Riester abzuschließen? Gibt es für die Gewerkschaften eine Verprovisionierung? Ist Mamax (Direktversicherer der Mannheimer Versicherungsgesellschaft) geeignet für die Erklärungsbedürftigen Produkte der privaten Altersvorsorge?

Klaus E. Bohn, als derjenige, an den die letzte Frage gerichtet war, brachte als Antwort zunächst nur ein schlichtes „Oh Gott!“ heraus, was ihm allerdings den Applaus des Publikums einbrachte.
Sodann pries er die Vorzüge von Mamax und stellte fest:
Mamax könnte bis zum 31.12.2002 die ganze Bundesrepublik über das Internet versichern.

Er hob weiterhin hervor, dass seiner Ansicht nach über das Internet eine qualifizierte Beratung gegeben sei, diese müsse man sich lediglich erarbeiten.

Er machte deutlich, dass Riester lediglich ein „Lückenfüller“ sei. Mit Hilfe der Riester-Rente könne bestenfalls das ausgeglichen werden, was durch die Rentenreform gekürzt worden sei. Für unbedingt notwendig hält Bohn weitere Formen der privaten Altersvorsorge, nur so könne sich der Einzelne seinen Lebensstandard sichern.

Wolf-Uwe Dings beleuchtete die Arbeitgeber-Position.
Seine Einschätzung:
Die Erkenntnis über die Durchführung von Riester ist in kleinen und mittelständischen Betrieben sehr überschaubar.

Nach der Meinung von Dings gibt es auf der Arbeitgeberseite weniger einen „Wechsel“ hin zu Riester, vielmehr sei hier ein „plötzliches Erwachen“ zu verzeichnen. Die Arbeitgeber merken: Ich muss etwas tun, ich muss etwas anbieten.

Daher sieht er die Aufgabe der Versicherer insbesondere darin, die Arbeitgeber überhaupt dazu zu bringen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Darüber hinaus betonte Dings, dass seiner Ansicht nach das Produkt Riester nicht isoliert betrachtet werden könne. Vielmehr müsse es im Zusammenhang mit anderen Themen der Altersvorsorge gesehen werden.

Ursula Konitzer ging unter anderem auf die von Licher gestellt Frage nach der Verprovisionierung ein und erklärte, dass die Gewerkschaften für die Abschlüsse keine Provisionen erhalten würden. – Das Auditorium quittierte diese Antwort mit ungläubigem Raunen. –
Der Tarifvorbehalt sei in ihren Augen kein Problem, sie äußerte die Überzeugung, dass den Arbeitnehmern ein sinnvolles Produkt angeboten werde. Konitzer räumte jedoch ein, dass die Riester-Rente sehr bürokratisch geregelt sei und viele offene Fragen habe. Daher betonte sie:
Für die Riester-Rente ist der Berufsstand der Vermittler unverzichtbar.

Diese Tatsache mache eine stärkere Einbeziehung der Versicherungsvermittler zwingend notwendig.

Im Hinblick auf die problematische demographische Entwicklung prangerte sie insbesondere die langen Ausbildungszeiten in Deutschland an. Daher sei eine effektive Verlängerung der Lebensarbeitszeit erforderlich.

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen ging auf diese Einschätzung ein und machte deutlich, dass seiner Ansicht nach ein früherer Eintritt in das Erwerbsleben keine Abhilfe schaffen würde, lediglich eine Verlängerung der Erwerbsarbeitszeit „nach hinten“ könnte weiterhelfen.

Sein Urteil über den Nutzen der Riester-Rente war eindeutig:
Lasst die Finger von Riester.

Er vertrat den Standpunkt, dass das Produkt lediglich für fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung tauglich sei. Nämlich für sehr junge Leute, die wenig verdienen und viele Kinder haben.

Im übrigen sprach sich Raffelhüschen vehement für Öffnungsklauseln bei Tarifregelungen aus. Seiner Meinung nach ist es dann unnötig, Zwang auf die Arbeitnehmer auszuüben, ein ganz bestimmtes Versicherungsprodukt zu kaufen, wenn man die Menschen davon überzeugen kann, dass das betreffende Angebot das Beste ist.

Weiterhin machte er deutlich, dass er davon ausgehe, dass jeder Einzelne im Hinblick auf eine ausreichende Altersversorgung einen Konsumverzicht in Höhe von sieben bis neun Prozent in Kauf nehmen müsse.

Ludger Theilmeier wies insbesondere auf das Problem des Tarifvorbehaltes hin. Dieser führe seiner Ansicht nach dazu, dass dem Markt die Flügel gestutzt werden.

Ein guter Arbeitgeber oder ein guter Gewerkschafter sind nicht automatisch gute Berater in Sachen Altersvorsorge.

Er sähe mit Sorge das Machtpotential, dass sich auf Seiten der Gewerkschaften aufbaue.

Grundsätzlich wies er darauf hin, dass mit der Riester-Rente lediglich ein Schritt auf dem Weg zu einer ausreichenden Vorsorge gegangen wird. Er wies darauf hin, dass mit Riester keine Absicherung für die Familie verbunden sei und erinnerte an die „Bedrohung“ der Lebensversicherung durch die Steuerpolitik.

Theilmeier machte deutlich, dass die Bevölkerung einen Anspruch auf eine vernünftige Beratung hat und äußerte die Ansicht, dass eine solche Beratung nicht über die Vermittlung durch das Internet gewährleistet werden könne. Seiner Ansicht nach müssen künftig Systeme entwickelt werden, die eine flexible Anpassung an die verschiedenen Lebensphasen ermöglichen. Die Unzulänglichkeiten des alten Rentensystems müssen offen gelegt und neue Lösungsansätze müssen gefunden werden.

Theilmeier fordert, die Parteien sollten jetzt angesprochen werden und nicht erst nach der Wahl.

Unser Bericht soll ausnahmsweise nicht mit einem Fazit beendet werden, sondern mit zwei Bonmots, mit denen auch die Diskussion in Bremen abgeschlossen wurde:

· Wissenschaftler sind für Politiker das, was Straßenlaternen für Betrunkene sind. Sie suchen bei ihnen nicht das Licht sondern den Halt.

· Wer in der Jugend nur geriestert, ist im Alter trotzdem verbiestert.

Angelika Römhild, Bonn