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Die deutschen Versicherer verzeichneten in 2010 einen Zuwachs ihrer Prämieneinnahmen. Das gesamte Prämienvolumen belief sich auf 178,8 Mrd. Euro und lag damit um 4,3 Prozent höher als im Vorjahr. Das gab heute (30.03.2011) der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) bekannt. Erneut hatten die Einmalbeiträge der Lebensversicherer daran einen erheblichen Anteil. Ohne die stark gewachsenen Einmalbeiträge hätte das Wachstum der Branche nur bei 0,5 Prozent gelegen.

Während die Beitragseinnahmen der Lebensversicherung (inkl. Pensionskassen und Pensionsfonds) 2010 wegen der stark gewachsenen Einmalbeiträge um 6,0 Prozent zulegen konnten, war für die Kranken- und Pflegeversicherung ein Zuwachs von 5,8 Prozent zu verzeichnen. Bei den Beitragseinnahmen der Schaden- und Unfallversicherung ist von einer leichten Zunahme von 0,7 Prozent auszugehen.
 
Solvency II: GDV hält Nachbesserungen für unerlässlich
Deutlichen Nachbesserungsbedarf sehen die deutschen Versicherer bei der Umsetzung der neuen Eigenkapitalregeln für Versicherungen (Solvency II). Daran änderten auch die guten Ergebnisse beim letzten Testlauf (QIS 5) nichts. GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen hält die Solvency II-Regeln aktuell für zu komplex und zu volatil. Diese Volatilität würde es den Lebensversicherern deutlich erschweren oder sogar unmöglich machen, langfristige Zinsgarantien anzubieten. Das neue Regelwerk dürfe zudem „kein Instrument zur Marktkonsolidierung“ sein und müsste auch für kleine und mittlere Unternehmen praktikabel gemacht werden. Er sehe aber gute Chancen, Solvency II auf einen erfolgreichen Kurs zu bringen. In den nächsten Monaten stünden noch wichtige Arbeiten am Aufsichtsregime an.
 
Lebensversicherer: Wachstum der Einmalbeiträge gemäßigt
Die Geschäftsentwicklung der Lebensversicherung war auch 2010 vom Einmalbeitragsgeschäft geprägt. Der Anstieg fiel allerdings mit einem Plus von knapp 30 Prozent deutlich niedriger aus als im Vorjahr (2009: +60 Prozent). Über die Hälfte der Einmalbeiträge im Neugeschäft entfielen auf sofort beginnende und aufgeschobene Rentenversicherungen. Mit rund 27 Mrd. Euro machten die Einmalbeiträge mehr als ein Viertel der gesamten Beitragseinnahmen der Lebensversicherungen aus. Die Gesamteinnahmen waren insgesamt um 6 Prozent auf 90,4 Mrd. Euro gestiegen.
 
Erfreulich ist, dass die Zahl der Vertragskündigungen weiter zurückgegangen ist, so der GDV. So lag die Stornoquote 2010 nur noch bei 3,6 Prozent – nach 3,9 Prozent in 2009 und 4,0 Prozent in 2008. Insgesamt sind etwa 7,4 Mio. Verträge durch Eintritt des versicherten Risikos, durch Ablauf oder durch Kündigung abgegangen. Damit hat sich der Bestand an Versicherungsverträgen um 0,9 Prozent auf 94,24 Mio. Verträge nur leicht reduziert. Die Lebensversicherer zahlten im Jahr 2010 Leistungen in Höhe von knapp 73 Mrd. Euro an ihre Kunden aus. Das sind täglich rund 200 Mio. Euro.
 
Private Krankenversicherer: Stabiles Wachstum
Die privaten Krankenversicherer erzielten 2010 Beitragseinnahmen von insgesamt 33,3 Mrd. Euro, 5,8 Prozent mehr als 2009. Davon entfallen auf die Krankenversicherung mit einem Plus von 6,1 Prozent rund 31,2 Mrd. Euro und auf die Pflegeversicherung 2,1 Mrd. Euro (+1,7 Prozent). Der Anteil der Zusatzversicherungen am Beitragsvolumen betrug 6,4 Mrd. Euro, davon waren 4,3 Mrd. Euro Zusatzversicherungen zur Ergänzung des GKV-Schutzes.
 
Die ausgezahlten Versicherungsleistungen erreichten 2010 ein Volumen von 21,9 Mrd. Euro, wobei auf die Krankenversicherung 21,2 Mrd. Euro (+3,7 Prozent) und auf die Pflegeversicherung 0,7 Mrd. Euro (+7,8 Prozent) entfielen.
 
Schaden- und Unfallversicherer: Außergewöhnliches Schadenjahr
Die Schaden- und Unfallversicherer waren in 2010 gefragt wie schon lange nicht. Insgesamt betrugen die Leistungen der Schaden- und Unfallversicherung an ihre Kunden 2010 voraussichtlich 43,2 Mrd. Euro (Vorjahr: 41,9 Mrd. Euro), das sind 3,1 Prozent mehr als in 2009. Eine höhere Schadenbelastung hatten die Schaden- und Unfallversicherer mit etwa 44 Mrd. Euro nur im Jahr des Elbe-Hochwassers 2002.
 
Besonders leistungsstark war die Wohngebäudeversicherung: Wie keine andere Sparte der Schaden- und Unfallversicherung bekam sie die Auswirkungen der Naturgefahren 2010 zu spüren. Rund 1,6 Mrd. Euro zahlte sie im letzten Jahr allein für Naturereignisse. Damit stiegen ihre Leistungen insgesamt um außergewöhnliche 18 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro.
 
Auf der Prämienseite sieht der GDV 2010 erstmals seit sechs Jahren eine leichte Belebung: Die Beitragseinnahmen betrugen in 2010 55,1 Mrd. Euro (2009: 54,7 Mrd. Euro) – ein Plus von 0,7 Prozent. Entscheidend hierfür sei die Entwicklung in der Kraftfahrtversicherung, die erstmals seit sechs Jahren wieder einen geringen Prämienzuwachs verzeichnen konnte.