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Die private Krankenversicherung ist in der öffentlichen Selbstdarstellung immer für Bolzen gut. Da denkt im GDV ein Arbeitskreis über langfristige sozialpolitische Perspektiven bis 2020 nach. Doch die Gedankenführer von Axa, Allianz und DKV können sich nicht durchsetzen mit ihrer Idee, die private Krankenvollversicherung praktisch abzuschaffen. Und flugs landet ihr Papier in der Presse. Die Folge: Berichte über Pläne der PKV zu ihrer Selbstabschaffung.

 
Aua. Die Idee der Dissidenten: Die Trennung von GKV und PKV wird aufgehoben. Für die Grundsicherung werden einheitliche Produkte von GKV und PKV angeboten, deren Beiträge nicht mehr nach Alter und Gesundheitszustand differenziert werden. Prämien für Kinder soll der Staat bezahlen. Gut daran: Die PKV könnte für die Grundsicherung auch Angebote für Werktätige machen, deren Einkommen bislang unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt und die daher bislang kein Recht auf private Krankenvollversicherung haben. Schlecht daran: Der entscheidende Wettbewerbsvorteil der PKV, die kapitalgedeckte Gesundheitsvorsorge, ginge verloren.
 
Was bringt nun Top-Manager von multinationalen, börsennotierten Versicherungskonzernen dazu, Konzepte zu vertreten, die Anhänger von neokommunistischen Politikansätzen in Begeisterungsstürme zu versetzen? Wer direkt oder mittelbar Vorstand eines Versicherers ist, der muss den Analysten vorgaukeln, welch toller Hecht er sei. Das fällt natürlich sehr schwer, wenn man, wie Allianz und DKV, massiv Marktanteile verliert. Axa hat bislang noch etwas zugelegt, doch nach der Fusion mit DBV-Winterthur trübt sich die Marktanteilsbilanz doch gefährlich ein. Und eine Beschwerdequote bei der Bafin, die fast beim 3,5-fachen des Marktmittelwertes ausfällt, lässt massive Zweifel an der Qualität der Neukundengewinnung aufkommen. Böse Falle angesichts eines erdrückend dominierenden Wettbewerbers in der privaten Krankenvollversicherung.
 
Im Bestand an Vollversicherten hat die Debeka mit 23,96 % mehr Marktanteil als DKV, Allianz und Axa zusammen (siehe mapreport 663-665, Seite 111). Im Neugeschäft hören wir Marktanteile von 45-65 %. Also ein Attentat frustrierter Finanzmultis auf den uneinholbaren Marktführer Debeka? Wohl nicht nur.
 
Im Hintergrund könnten auch bilanzielle Überlegungen stehen. In der privaten Krankenvollversicherung trägt der Versicherer unter anderem das Kapitalanlagerisiko: Gibt der Anlagemarkt die einkalkulierten Renditen nicht her, muss die Gesellschaft die Löcher mit eigenen Mitteln stopfen, also genug Eigenmittel vorhalten, die bei Aktiengesellschaften für die Aktionäre verzinst werden müssen. Ähnliches gilt auch für kapitalbildende Lebensversicherungen.
 
Deshalb sind viele Finanzmultis bereits dazu übergegangen, fondsgebundene Policen zu propagieren. Damit wird das Anlagerisiko auf den Kunden transferiert und die Bilanz von Risiken gesäubert. Wer die private Krankenvollversicherung aufgibt, säubert auf gleichem Wege seine Bilanz. Börsennotierte Versicherer suchen gern Wege, sich vor der Übernahme von Risiken zu drücken, um nur noch risikolose Geldwechselgeschäfte betreiben zu können. Doch dann stellt sich schnell die Frage nach dem Sinn von Versicherung.
 
(map-fax24/08)