DruckversionDruckversion
Eigentlich ist Deutschland ein wirtschaftsstarkes Land. Nach den USA, Japan und China sind wir weltwirtschaftlich die Nr. 4, gemessen am Bruttoinlandsprodukt BIP. Wer aber die aktuelle Sigma-Studie von Swissre durchsieht, findet erbärmliche Ergebnisse (siehe Doku).
 
Der Deutsche Lebensversicherungsmarkt ist weltweit gerade einmal die Nr. 7. Wenn Großbritannien mehr Prämie generiert, ist das angesichts des Sozialversicherungssystems nachvollziehbar. Aber selbst in Italien und Frankreich kommt mehr Geld in die Kassen der Lebensversicherer. Blamabel ist die Versicherungsdurchdringung in Relation zur Wirtschaftskraft. Die einheimischen LV-Prämien erreichen gerade einmal 3,5 % des BIP. Weltweit sind es 4,0 %, europaweit gar 4,5 %. Nimmt man die 30 umsatzstärksten Lebensversicherungsmärkte der Welt, so landet Deutschland in dieser Kennzahl gerade einmal auf einem lausigen 18. Platz. Weltweit stammen 58,1 % der Prämieneinnahmen der Versicherer aus Leben, in Europa sind es gar 59,6 %. Deutschland hingegen kommt auf schlappe 47,9 %. Diese Zahlen korrespondieren auch mit den Vergleichen des BVK. Die Vermittlerschaft in diesem Lande lebt überwiegend vom kleingewerblichen Sach-/ HUK-Geschäft, kaum von Leben. Weshalb eigentlich nicht? Swissre weist in ihrer Studie auf die hohen Marktpotentiale in LV angesichts der Demografiekrisen hin. Doch was nützen Potentiale, wenn sie nicht ausgeschöpft werden? Die Deutschen Lebensversicherer haben Jahrzehntelang vom Verkauf von Finanzierungen gelebt, in denen Steuervorteile ausgenutzt wurden. Heute passiert fast das gleiche: Sofortbeginnende Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag sind steuergünstige Entsparungsmöglichkeiten für Vermögen aus Immobilien oder Depots. Sie laufen fast automatisch. Das LV-Geschäft gegen laufenden Beitrag ist zusammengebrochen, weil Policenverkäufer den Schritt in die Lebensplanberatung nicht vorsorgefähiger Kunden nicht schaffen. Die Hinterbliebenenversorgung kommt seit Jahrzehnten nicht in Gang. Und im heftig beworbenen BU-Geschäft konzentriert sich der Markt auf den Verkauf von Superluxuspolicen an Höchstverdiener, so dass für die Masse der Bevölkerung kaum ein Versorgungsproblem gelöst wird. Und auch Umsätze in unzureichender Höhe nur erzielt werden. So ist Deutschland auf dem Weg zum LV-Entwicklungsland... (map)
map-fax 29/11