DruckversionNoch haben nicht alle Lebensversicherer die ausgefüllten Fragebögen zur Deklarationsumfrage zurückgeschickt. Aber eine Schätzung für die durchschnittliche Deklaration 2012 der Branche können wir inzwischen durchaus wagen: Es werden wohl 3,93 % werden nach 4,08 % im Vorjahr. Dabei ist zu berücksichtigen, dass wir den Mittelwert für die Deklarationen zu allen Rechnungszinssätzen rechnen, während in der Öffentlichkeit gern der Deklarationssatz für das Neugeschäft verwendet wird. Der durchschnittliche Deklarationssatz ist also im Vergleich zum Vorjahr um 15 Basispunkte gefallen, unter die magische Grenze von 4 %. Nun könnte man mit dem großen Wehklagen beginnen. Früher hat der Verbraucher über 7 % Guthabenverzinsung bekommen und jetzt im Schnitt noch nicht einmal mehr 4 %.
Natürlich ist dieser Umstand beklagenswert. Doch sind die 3,93 % wirklich so schlecht? Gibt es bessere Alternativen? Dabei wird gern der Aktienmarkt gepriesen. Mit 6.914,19 Punkten hat sich der Dax aus dem Jahr 2010 verabschiedet. Der Jahresschlusskurs 2011 dürfte mindestens 1.000 Punkte schlechter liegen. Dementsprechend sind die Bilanzen der Aktienfonds.
Die 10- jährigen Sparplanergebnisse der international anlegenden Aktienfonds haben zum Ende des 3. Quartals eine jährliche Rendite von –1,44 %, nach 15 Jahren ist der Wert mit –1,38 % kaum besser. Erst nach 20 Jahre wird der Wert überhaupt positiv, erreicht aber nicht die LV-Verzinsung. Bei Einmalanlagen liegen die Renditen des laufenden Jahres per 30.11.2011 bei -13,4 %, die einjährigen Verluste betragen dagegen „nur“ 9,4 %.
Trotz eines Kursrutsches um fast 1.200 Punkten ist aber auch die laufende Dividendenrendite der 30 Dax-Werte kaum eine Konkurrenz zur Lebensversicherung. Sie schafft gerade einmal 3,7 % im Schnitt. Der Aktienmarkt bietet mindestens dem Amateuranleger keine Alternative zum Lebensversicherungsprodukt.
Dem Markt für Bankprodukte geht es ähnlich. Die Deutsche Bank preist unverdrossen ihr Festzinssparen mit 2,0 % für ein Jahr. Dafür dürften Lebensversicherungskunden nur ein mitleidiges Lächeln übrig haben. Natürlich kann man über entsprechende Internetportale Festzinsangebote bekommen, die leicht über den 2,0 % der Deutschen Bank für ein Jahr liegen. Doch in der Regel liegt keines dieser Angebote über den 3,93 %, die mit Lebensversicherungen zu erzielen sind.
Im übrigen ist bei einigen höherverzinslichen Angeboten dem experimentierfreudigen Vorsorger dringend zu raten, sich intensiv und kritisch mit der Solvabilität des kapitalaufnehmenden Geldinstituts zu befassen. In der Regel wird das sehr schwierig werden, weil Banken derartige Transparenz nicht so gern herstellen wie zum Beispiel Lebensversicherer. Von interessierten Kreisen wird als Alternative zur Lebensversicherung gern die Direktanlage beim Bundesfinanzminister gepriesen. Das sei ja so kostengünstig.
Vielleicht, aber was nützen niedrige Kosten, wenn die ausgelobten Zinsen noch nicht einmal die aktuelle Inflationsrate von 2,3 % erreichen? Unter www.bundeswertpapiere.de sind die einzelnen Konditionen nachzulesen. Die aktuelle Serie der Bundesobligationen bietet gerade einmal nominal 1,25 % für 5 Jahre. Die Rendite hat eine 0 vor dem Komma, bei den Bundesschatzbriefen sieht es kaum besser aus. Die Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere geht etwa mit 1,50 % aus dem Jahr. Zehnjährige Bundesanleihen notieren, sehr zur Freude des Finanzministers, bei 1,89 %. Wie man mit diesen Zinssätzen die Lebensversicherung schlagen will, bleibt rätselhaft.
Im Grunde muss man doch ganz ehrlich sagen: wer unter diesen Kapitalmarktbedingungen so viel erwirtschaftet hat, dass er die Guthaben der Versicherten mit 3,93 % verzinsen kann, hat einen verdammt guten Job gemacht. Jetzt muss der Finanzminister nur noch nachlegen und mit echtem Sparen beginnen, um wieder anständige Zinsen für die Finanzierung der Staatsschulden zahlen zu können. In diesen Tagen wird wieder viel darüber spekuliert, wie lange Lebensversicherer die Niedrigzinspolitik aushalten, wann die Ersten in die Knie gehen. Doch die Fragen sind unsinnig. Ob es der Lebensversicherung oder den Lebensversicherern gut geht, ist zweitrangig. Wichtig ist, ob die Verbraucher ihre Versorgungsprobleme wirtschaftlich überleben... (map)
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