DruckversionDruckversion
Der Blick ist staatstragend. Der Werber strahlt die Bedeutung eines Oberstudienrates aus: „Ich habe mir gerade 2 % gesichert. Fest für ein Jahr“, heißt es im Werbespot der Deutschen Bank. Mit 2 % wirbt die Deutsche Bank, mit 2,1 % die Commerzbank vom deutschen Tropf, mit 2,7 % die RBS vom britischen Bankentropf. Deutsche Lebensversicherer, die das Guthaben ihrer Kunden im noch laufenden Jahr im Schnitt mit 4,07 % verzinst haben, würden sich kaum trauen, damit so offensiv zu werben wie die Banken mit der Hälfte des Zinses. Sie verkriechen sich wie die geprügelten Hunde in der Ecke, sind höchstens neidisch auf die Banker, die mit der Hälfte des Zinssatzes so offensiv umgehen. Demnächst geht das Spielchen munter weiter.
 
Die Finanzminister zahlen für die Finanzierung ihrer Staatsverschuldung außerhalb der üblichen Problemfälle Zinssätze, die gegenüber den Sparern eigentlich sittenwidrig sind und die private Vorsorge massiv behindern. So notiert der Emissionskalender des Bundes für den 19. Oktober eine Bundesanleihe mit einem Coupon von 2,25 %. Gleichzeitig meldet das Statistische Bundesamt eine Inflationsrate von 2,6 %. Wer dem Bundesfinanzminister mit dieser Bundesanleihe die Staatsverschuldung finanziert, bekommt also einen negativen Realzins von 0,35 %. Also echten Vermögensverlust statt einer Entschädigung dafür, dass die privaten Investoren für 10 Jahre auf die Nutzung ihres Vermögens verzichten. Wenn in diesen Tagen Italien stellenweise 7,5 % Zinsen für seine Staatsschulden bezahlen muss, stehen manchen deutschen Nachrichtensprechern fast die Tränen in den Augen. Warum eigentlich? Der langfristige deutsche Durchschnittszins lag, bis 1995, bei 6,5 %, der normale Zinskorridor zwischen 4,8 % und 8,3 %.
 
Dabei wird gern übersehen: Staaten sind sehr unseriöse Schuldner. Sie machen immer mehr Schulden, Nettotilgungen kommen fast nicht vor (map-fax 22/2011). Dazu kommt der hohe Vergreisungsfaktor in der Bevölkerung (map-fax 24/2011). Einem privaten oder kleingewerblichen Schuldner mit diesem Seriositätsprofil würden sauber arbeitende Gläubiger entweder überhaupt keinen Kredit mehr einräumen oder Zinssätze in zweistelligen Bereich verlangen. Mit 7,5 % ist Italien noch gut bedient. Deutschland zahlt nur deshalb deutlich weniger, weil der Öffentlichkeit eine Seriosität vorgegaukelt wird, wie es sich kein anderer Anbieter am Finanzmarkt leisten könnte, ohne sich strafbar zu machen. So ist es mit haftbedrohten Transparenzanforderungen wohl kaum vereinbar, wenn künftige Belastungen des Schuldners durch Beamten– und Politikerpensionen öffentlich verschwiegen werden.
 
Böse Falle für Vorsorgesparer: Die Verbraucher bekommen für ihre Vorsorge immer geringere Zinsen. Ihre Vermittler und Berater haben Mühe, zu erklären, dass Lebensversicherer nichts dafür können, sondern Opfer von unseriöser Finanz- und Geldpolitik sind. Die Frage „lohnt sich in dieser Zeit eigentlich eine Lebensversicherung noch?“ wird häufig gestellt. Eine Antwort liegt in der Gegenfrage: Was ist die Alternative? Aktien oder aktienähnliche Anlagen? Sicher nicht. Seit 2001 ist euroweit das Bruttoinlandsprodukt von 7,08 Bio. € um 33,48 % auf 9,46 Bio. € gestiegen (siehe Doku). Die Geldmenge M3 hingegen stieg im gleichen Zeitraum um 81,83 % auf 9,80 Bio. €. Und damit viel schneller als die Realwirtschaft. Es ist also viel zu viel Geld am Markt, so dass sich eine liquiditätsgetriebene Hausse mit dem nächsten Crash abwechselt.
 
Aktien sind für die Altersvorsorge zu gefährlich. Immobilien nach Ansicht der Macher von Solvency II auch. Was bleibt dann noch? Sich auf den Staat verlassen? Der muss nicht nur Beamten– und Politikerpensionen finanzieren aus Steuereinnahmen von rund 25 % weniger Einwohnern, von denen die Hälfte in Rente ist, aber immer länger lebt. Hinzu kommt das Wachstum der Grundsicherung. Mit 438.831 Empfängern wurde 2003 dieses Instrument gestartet. Im Jahre 2010 waren es schon 796.646 Empfänger. Steigerung per anno um 4,29 %. Geht dieses Wachstum weiter, sind ab 2032 zwei Millionen Kandidaten zu erwarten, die dritte Million ist ab 2042 fällig. Mit Kosten im zweistelligen Milliardenbereich.
 
Auf den Bezug dieser Sozialleistung sollte man künftig nicht angewiesen sein. Besser: Man hat trotz aller akuten Probleme mit der Lebensversicherung vorgesorgt... (map)
map-fax 45/11