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Abmahnwelle wegen Google Fonts-Einbindung und angeblicher Datenschutzverstöße

Zurzeit scheinen massenhaft E-Mails abgeschickt zu werden, in denen „besorgte Bürger“ oder Personen mit „gut gemeinten Ratschlägen“ Schadenersatzansprüche nach Art. 82 DSGVO geltend machen möchten.

Wir möchten Sie hiermit darüber informieren und zugleich vor den Mails warnen. Die besagten Schreiben können eigentlich grob in zwei Kategorien unterscheiden werden:

1. Schreiben von Privatpersonen, die Ansprüche im eigenen Namen geltend machen,
2. Rechtsanwaltskanzleien, die Ansprüche in Namen ihres Mandanten geltend machen.

1. Privatpersonen „Besorgte Bürger“

Hier möchten besagte Personen einen Schadenersatz geltend machen, häufig in Höhe von 100,00 Euro. Als Grund geben sie an, dass die Webseite des Adressaten den Drittanbieter „Google Fonts“ dynamisch eingebunden hat, wodurch bei Aufruf der Webseite automatisch und ohne Zustimmung des Besuchers eine Verbindung mit den Servern von Google hergestellt wird.

Mit Angaben, wie die URL (= Uniform Ressource Locator, Internetadresse) ihrer Homepage und die Angabe der eigenen IP-Adresse, sieht dieses Schreiben – zumindest augenscheinlich – für manche Empfänger vielleicht glaubhaft und am Ende auch etwas beängstigend aus. Zumal auch ein Urteil vom Landgericht München (Urteil v. 20.01.2022, Az. 3 O 17493/20) zitiert wird.

Scheinbar möchten sich besagte Personen dieses Urteil zu Nutzen machen und haben die Zeit und Lust, eine Abmahnwelle im eigenen Namen ins Rollen zu bringen. Falls Sie ebenfalls ein solches Schreiben erhalten haben, sollten Sie es zwar nicht komplett ignorieren, jedoch empfehlen wir nicht den verlangten Betrag zu zahlen.

Google Fonts sollte natürlich lokal eingebunden werden, jedoch kann nach unserer Ansicht nicht ohne Umschweife ein Schadensersatzanspruch angenommen werden, wenn dies mal nicht der Fall ist. Dazu bedarf es weiterer Vorrausetzungen, die aber in beinahe allen uns bekannten Schreiben nicht erfüllt sind.

Die Schreiben, von denen wir bisher erfahren haben, sind häufig vom Aufbau nahezu identisch, auch wenn diese sich in der Qualität und Argumentation teilweise unterscheiden. Sollten Sie diesbezüglich Hilfe benötigen, können sich BVK-Mitglieder natürlich auch gerne an den Datenschutzbeauftragten des BVK, die Gindat GmbH, wenden, da es unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten auf diese Schreiben gibt.

Eine derartige Abmahnwelle einer anderen Person, mit dem Betreff der Mail „Datenschutzverstoß, Unterlassung, Auskunft“, wird ebenfalls aktuell versendet. Hier wird wieder kritisiert, dass die Website den Dienst „Google Fonts“, „Google Analytics“ oder „Typekit“ mit einbindet. Der Absender verlangt hier, dass die Einbindung ohne Einwilligung zu unterlassen. Zudem möchte er auch noch, dass der Betreiber der Webseite eine Unterlassungserklärung unterschrieben zurück sendet. Diese sendet er „freundlicherweise“ direkt mit im Anhang, unter dem PDF „Auseinandersetzung“. Sollte man dieser Unterzeichnung nicht nachkommen, so verlangt er einen Betrag in Höhe von 3.000 Euro.

Bitte unterzeichnen Sie keinesfalls die beigefügte Unterlassungserklärung. Sollten Sie dahingehend weitere Unterstützung benötigen, melden Sie sich gerne bei uns per E-Mail oder telefonisch unter 02191 -  909 430 (Gindat GmbH).

2. Rechtsanwaltskanzleien

Auch Rechtsanwaltskanzleien versenden Abmahnschreiben postalisch. Eine RAAG-Kanzlei, mit Sitz in Meerbusch, nennt hier namentlich ihren Mandanten und weist auch hier auf die Nutzung von Google Fonts auf der Webseite hin, dadurch werde die IP-Adresse des Mandanten an Google weitergeleitet.

Nachfolgend werden die anfallenden Kosten erläutert, welche man auch auf der letzten Seite in einer tabellarischen Übersicht findet. Insgesamt möchte die RAAG-Kanzlei, dass die Summe (aus einem aktuellen Schreiben) von 226,10 Euro an die angegebene Kontoverbindung gezahlt wird.

Nach einer Recherche im Internet über die RAAG-Kanzlei haben wir festgestellt, dass die Kanzlei von Nikolaos Kairis geleitet wird, welcher auch das Schreiben aufgesetzt hat. „Dikigoros“ ist übrigens das griechische Wort für „Rechtsanwalt“. Herr Kairis scheint also in Griechenland zur Rechtsanwaltschaft zugelassen zu sein und kann aufgrund § 2 EuRAG in Deutschland praktizieren. Ausweislich des bundesweiten Rechtsanwaltsregisters ist die Zulassung erst im Jahre 2021 erfolgt.

Wir empfehlen Ihnen, den geforderten Betrag nicht an die Kanzlei zu senden, da die rechtlichen Ausführungen zum Schadenersatz des Herrn Kairis mehr als fraglich sind. Sie sollten sich hierzu allerdings juristischen Rat hinzuziehen.

Solche Schreiben zu ignorieren ist nicht zu empfehlen, da nach unseren Informationen diese bisher bekannten Kanzleien auf gerade diese Fälle zu konzentrieren scheinen. Unabhängig davon empfehlen wir Ihnen natürlich, Google Fonts schnellstmöglich lokal auf Ihrer Webseite einzubinden. Kontaktieren Sie dazu Ihren Webdienstleister.

BVK-Mitglieder kann die GINDAT GmbH gerne unterstützen (kostenpflichtig). Sollten Sie von diesen Abmahnungen betroffen sein, dürfen Sie uns Ihre Anfrage gerne per E-Mail an die info@gindat.de senden.

Ausführlicher Hintergrundartikel von Gindat zum Download (257,46 kB, pdf)