| Pressemitteilung

Vermittler begrüßen Altersvorsorgedepot, sehen aber hohe Anforderungen in der Beratung

Eine aktuelle Blitzumfrage des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) unter seinen Mitgliedern zeigt eine überwiegend positive Haltung zur Reform der privaten Altersvorsorge und zur Einführung des Altersvorsorgedepots (AVD) ab 2027. Drei Viertel der befragten Vermittler (75 %) wollen das Altersvorsorgedepot aktiv anbieten. 12,8 Prozent haben sich noch nicht festgelegt, lediglich 10,2 Prozent lehnen einen Vertrieb ab. Auch die Reform insgesamt wird mehrheitlich positiv bewertet: Rund 55 Prozent beurteilen sie positiv, 31 Prozent neutral und nur 13,3 Prozent negativ.

Auf breite Zustimmung stößt zudem die geplante Frühstartrente. 64,2 Prozent der Befragten möchten sie aktiv anbieten. 20,1 Prozent sind noch unentschlossen, während lediglich 15 Prozent kein entsprechendes Angebot planen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Vermittler die Reform der privaten Altersvorsorge grundsätzlich unterstützen“, erklärt BVK-Präsident Michael H. Heinz. „Die stärkere Kapitalmarktorientierung und neuen Förderansätze werden als Chance gesehen, mehr Menschen für die private Altersvorsorge zu gewinnen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die praktische Umsetzung erhebliche Herausforderungen für die Beratung mit sich bringen wird.“

Herausforderungen sind Wettbewerb, Verständlichkeit und Bürokratie 

Die Vermittler sehen insbesondere die Beratung zum neuen Altersvorsorgedepot als anspruchsvoll an. Mit 57,3 Prozent wird der Wettbewerb zu anderen Anlageformen als größte Herausforderung genannt. Jeweils 51,7 Prozent sehen Schwierigkeiten darin, die neuen Produkte verständlich zu erklären beziehungsweise bürokratische Anforderungen zu bewältigen. Die Erläuterung der Förderregelungen betrachten 50,2 Prozent als anspruchsvoll, die Produktkomplexität 47,5 Prozent.

Darüber hinaus äußern 36,1 Prozent der Befragten betriebswirtschaftliche Bedenken. Rechtliche Fragestellungen werden dagegen von 26,2 Prozent als Hürde wahrgenommen. Die Ergebnisse unterstreichen, dass der Erfolg der Reform wesentlich von verständlichen Regeln, praxistauglichen Prozessen und einer klaren Kundenkommunikation abhängen wird.

„Dass mit der neuen Fördersystematik der Beratungsbedarf steigen wird, ist unter Fachleuten unbestritten“, betont Heinz. „Umso unverständlicher ist, dass sich Gesetzgeber und Versicherungswirtschaft zugleich für beratungsfreie Standardlösungen ausgesprochen haben.“

Mehrheit erwartet nur begrenzte Riester-Umdeckungen

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft mögliche Kapitalumschichtungen aus bestehenden Riester-Verträgen in das neue Altersvorsorgedepot. Nur 27,2 Prozent der Vermittler rechnen mit Umdeckungen in größerem Umfang. 44 Prozent erwarten lediglich einen geringen Umfang, während 7,5 Prozent nicht von nennenswerten Umdeckungen ausgehen. 21,3 Prozent sehen derzeit noch keine ausreichende Grundlage für eine belastbare Einschätzung.

Beim Marktpotenzial erwarten 16 Prozent zusätzliches Neugeschäft durch das Altersvorsorgedepot, während 15 Prozent die Vertriebschancen noch nicht beurteilen können. Fast die Hälfte der Befragten (46,6 %) rechnet sowohl mit zusätzlichem Neugeschäft als auch mit Umdeckungen bestehender Riester-Verträge.

Insgesamt sehen die Vermittler in der Reform die Chance, die private Altersvorsorge zu stärken und neue Zielgruppen für den langfristigen Vermögensaufbau zu gewinnen. Voraussetzung für eine breite Akzeptanz sind nach Einschätzung der Befragten jedoch eine nachvollziehbare Kundenkommunikation, klare Förderregeln und möglichst geringe Bürokratie.

Über die Umfrage

An der BVK-Blitzumfrage nahmen 823 Versicherungs- und Finanzvermittler teil. 86,7 Prozent der Teilnehmer waren Ausschließlichkeitsvertreter, 6,3 Prozent Versicherungsmakler und 4,8 Prozent Mehrfachvertreter. Die Online-Befragung wurde vom 12. bis 21. Oktober durchgeführt und umfasste rund 14 Fragen. Die Mehrheit der Teilnehmer verfügt über 20 bis mehr als 30 Jahre Vertriebserfahrung.